Klimaschutz-Kolumne Engelsbrand: Die Mär von den atmenden Wänden

In Gesprächen mit Hauseigentümern und teilweise auch von Fachleuten ist immer wieder zu hören, dass wärmegedämmte Außenwände die Bausubstanz beeinträchtigen, da die Wände dann nicht mehr atmen könnten. Ist das wirklich zutreffend?

„Atmen“ bedeutet, verbrauchte Luft durch sauerstoffreiche Frischluft auszutauschen. Wände können dies im eigentlichen Sinn natürlich nicht. Was also ist der Ursprung dieser Aussage. Sie gehen zurück auf Max von Pettenkofer, der Ende des 19. Jahrhunderts die Theorie aufstellte, dass die Durchlässigkeit von Baustoffen für den Luftwechsel im Gebäude sorgt. Diese These wurde 1928 dahingehend wiederlegt, dass verputzte Wände winddicht sind und die Frischluftzufuhr über die Fenster stattfindet.

Nicht winddichte Bauwerkskonstruktionen hingegen verursachen unangenehme Zugerscheinungen und erhöhen den Energieverbrauch. Besonders auffällig ist dies, wenn Mauerwerksfugen offen liegen oder der Putz rissig ist. Dann wird das Mauerwerk zudem durch eintretende Feuchtigkeit geschädigt.

A propos Feuchtigkeit, Außenwände sind absolut ungeeignet, den in der Raumluft enthaltenen Wasserdampf abzuführen. In sehr geringem Umfang findet zwar ein Wasserdampftransport von den warmen, feuchten Innenräumen hin zu der kalten, trockenen Außenluft statt. Im Verhältnis zu den anfallenden Mengen in Innenräumen ist dieser Anteil jedoch vernachlässigbar.

Deshalb ist geruchs- und feuchtebelastete Raumluft mit einer Stoßlüftung von 5-10 Minuten, mindestens 3 Mal pro Tag, über die Fenster gegen frische Luft auszutauschen. Während der Heizperiode sollte allerdings nicht vergessen werden, die Heizkörper vor dem Lüften zu schließen und anschließend wieder zu öffnen.

Individuelle Beratung und Antworten auf Fragen zum Gebäude, zur Heizung, zu Energie-sparmaßnahmen und zu den staatlichen Förderprogrammen erhalten Sie von den Energieberatern des Energie- und Bauberatungszentrums Pforzheim, EBZ. Kontakt: www.ebz-pforzheim.de .